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Öffentliche Ladestationen - alle Infos auf einen Blick
Lokilech/GFDL, via Wikimedia Commons

Öffentliche Ladestationen - alle Infos auf einen Blick

Welche Ladesäule soll es sein?

Das Laden eines Elektroautos über Kabel ist zurzeit Standard. Der  Batterieaustausch und induktives Laden sind noch in der Erprobungsphase.

Die Wahl der Ladesäule hängt vor allem von zwei Faktoren ab: Vom Preis und von der Ladegeschwindigkeit.

Kombiladesäule Elektroauto mit Schnellladeoption
Bildquelle: by Hadhuey (Own work)

(CC BY-SA 4.0), via Wikimedia Commons

Wird die Batterie im Fahrzeug mit Gleichstrom (DC) geladen, befindet sich das Ladegerät in der Ladesäule.

  • Der Vorteil: Es geht schnell. Die Batterie ist in weniger als einer halben Stunde auf rund 80 Prozent der Gesamtkapazität aufgeladen und eignet sich daher besonders für den öffentlichen Raum.
  • Der Nachteil: Die Ladesäulen sind um ein Vielfaches teurer als Laden mit Wechselstrom (AC).

Beim Laden mit Wechselstrom (AC) wandelt ein Ladegerät im Auto den Strom in Gleichstrom um.

  • Der Vorteil: Es eignet sich für Unternehmen, wenn Mitarbeiter während ihrer Arbeitszeit laden oder wenn in Flotten nur nachts geladen wird. Aber auch Kommunen bevorzugen derzeit AC-Ladesäulen, da sie vor den hohen Kosten der Schnellladung zurückschrecken.
  • Der Nachteil: Geladen wird allerdings im Schneckentempo. Bis die Batterie wieder voll ist, dauert es mehrere Stunden.

Praxistipp:

Da Ladestationen eine Lebensdauer von vielen Jahren haben, sollten AC-Ladestationen mit einer Ladeleistung zwischen 11 - 22 kW ausgestattet werden, damit sie zukunftsfähig sind. Bei DC-Ladestationen reicht heute eine Ladeleistung von 50 kW. Bei einer Anschaffung sollte dennoch darauf geachtet werden, dass die Ladeleistung nachträglich gesteigert werden kann, da sie auf bis zu 150 kW steigen wird. Geplant sind sogar 350 kW.

 

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Intelligente Ladestationen

Ladestation mit Parkplatz Elektroauto

Bildquelle: Hiddenhauser/Public Domain

Intelligenten Ladesäulen gehört die Zukunft. Sie kommunizieren mit dem Elektrofahrzeug und steuern und überwachen den Ladevorgang. Sie können in einen Verbund von Ladestationen integriert werden und sie ermöglichen ein dynamisches Lastmanagement. Noch ist das nicht nötig. Steigt die Anzahl der Ladestationen, muss dies aber unbedingt berücksichtig werden.

Intelligente Ladesäulen sollten für „Vehicle-to-Grid”-Anwendungen nach der ISO15118 Norm ausgelegt sein und über eine Internetverbindung Software-Updates erhalten. Kommunikationsschnittstellen sind derzeit GSM, Ethernet, WLAN und serielle Schnittstellen wie RS485.

Flottenbetreiber und Kommunen sollten ein Backend-System in Betracht ziehen, da es einen kostenoptimierten Betrieb ermöglicht. Über ein Backend-System können auch Nutzungsberechtigungen vergeben und Ladestatistiken abgerufen werden. Es erlaubt zudem eine Fernüberwachung, Ferndiagnose und Fernwartung der Ladestationen.

Ladesäulen mit Intelligenz können auch an eine anbieterübergreifende, europaweite Roaming-Plattform angeschlossen werden, was Unternehmen die Möglichkeit bietet, die Ladesäule im halböffentlichen Raum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Einen guten Überblick über technische Voraussetzungen sind im Technischen Leitfaden Ladeinfrastruktur der Nationalen Plattform Elektromobilität zu finden.

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Stecker

In Europa gibt es zwei unterschiedlich genormte Steckertypen – Typ 1 und Typ 2. Die Ladesäulenverordnung (LSV) schreibt vor, dass an jedem Ladepunkt der sogenannte Typ-2-Stecker für die Wechselstromladung und für die Gleichstromladung das sogenannte Combined-Charging-System (CCS) vorhanden sein muss. Mit der Typ 2 Steckdose wurde von der EU ein Standard festgelegt, der für alle Elektroautos passend ist - egal ob mit Typ 1 oder Typ 2 Stecker geladen wird.


Kabelaufhängung

Sie sollte unbedingt bei jeder Ladestation vorhanden sein. In manchen Fällen muss sie als Zubehör gekauft werden. Aber sie verhindert, dass das Kabel auf der Erde herumliegt und ein Auto darüberfährt oder eine Person stolpert.


Kosten

Kosten LadeinfrastrukturEine Ladestation gibt es ab etwa 800 Euro. Zusätzlich muss die Montage und Elektroinstallation berücksichtigt werden. Die Gegebenheiten vor Ort spielen dabei eine wichtige Rolle -  wie weit zum Beispiel der Parkplatz vom Sicherungskasten entfernt ist, ob Grabungsarbeiten notwendig sind oder eine Leitung bereits vorhanden ist. Ein neues Kabel sollte immer auf 22 kW auslegt sein, damit auch eine schnelle Ladung möglich ist. Wichtig sind die elektrischen Sicherungselemente.

Jede Ladestation muss über einen eigenen Stromkreis verfügen, der mit Leitungsschutzschalter und einem Fehlerstromschutzschalter abgesichert ist, um Stromschläge zu vermeiden. Für jede Ladestadestation ist ein Fehlerstromschutzschalter mindestens vom Typ A vorgeschrieben. 

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Förderung

Förderung LadeinfrastrukturZur Verbesserung der Ladeinfrastruktur stellt der Bund 300 Millionen Euro zur Verfügung: 200 Millionen Euro für die Schnelllade-Infrastruktur und 100 Millionen Euro für die Normalladeinfrastruktur.
Das Bundesförderprogramm Ladeinfrastruktur umfasst:

  • Aufbau öffentlich zugänglicher Schnellladeinfrastruktur (S-LIS) in Metropolen und entlang der Bundesfernstraßen, ca. 5.000 Ladestationen, Fördersumme 200 Millionen Euro.
  • Aufbau öffentlich zugänglicher Normalladeinfrastruktur (N-LIS), ca. 10.000 Ladestationen, Fördersumme 100 Millionen Euro. Unterstützt werden sowohl private Investoren als auch Städte und Gemeinden.

Seit Juli 2016 können Käufer von Elektroautos eine Prämie beantragen: 4.000 Euro für rein elektrische Fahrzeuge und 3.000 Euro für Plug-in-Hybride. Bund und Industrie tragen jeweils die Hälfte des Zuschusses. Anträge müssen beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gestellt werden.

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Errichtung von Ladepunkten

Errichtung Ladesäulen ElektroautoDie Ladesäulenverordnung vom März 2016 beinhaltet nicht nur verbindliche Regelungen zu Ladesteckerstandards, sondern auch Mindestanforderungen zum Aufbau und Betrieb von öffentlich zugänglichen Ladepunkten. Bereits bestehende, unveränderte Ladepunkte genießen Bestandsschutz und bleiben von dieser Verpflichtung unberührt.

Betreiber von öffentlich zugänglichen Ladepunkten müssen die Bundesnetzagentur über Aufbau und Inbetriebnahme unterrichten. Für Schnellladepunkte müssen Betreiber außerdem regelmäßig Nachweise über die Einhaltung der technischen Anforderungen bei der Bundesnetzagentur vorlegen.

Praxistipp:

Am besten steht eine Ladestation zwischen zwei Parkplätzen, damit das Umstecken ohne Umparken erfolgen kann. Auch eine eindeutige Beschilderung ist wichtig, damit die Parkplätze für die Elektroautos nicht von Verbrennern zugeparkt werden.

 

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Ladepunkte verwalten

Betreiben von Ladestationen für ElektroautosFür den Betrieb einer komplexen Infrastruktur sollten Maßnahmen zur Überwachung, Auswertung und Abrechnung eingerichtet werden. Erforderlich sind dafür Schnittstellen zwischen den Ladestationen und einem Backend-System.

Vor allem bei einer größeren Zahl von Ladepunkten ist eine zentralisierte Überwachung zur effizienten Planung von Servicemaßnahmen sinnvoll. Denn eine Auswertung kann zur Optimierung des Einsatzes bestehender und zukünftiger Ladepunkte beitragen.

Ein Lastmanagement ist noch längst kein Standard, kann aber zur Vermeidung von Lastspitzen beitragen. Die Ladeinfrastruktur benötigt dafür jedoch eine Kommunikationseinheit. Nicht vergessen: Zur Sicherheit der Ladepunkte müssen sie regelmäßig überprüft werden.

Praxistipps:

  • Im kommunalen Bereich gilt ein 3-phasiger AC-Ladepunkt als ausreichend
  • Aus energie- und steuerrechtlichen Gründen ist es oft sinnvoll, den Ladepunkt direkt an das Niederspannungsnetz anzuschließen
  • Öffentlich  zugängliche Ladepunkten müssen bei der Bundesnetzagentur gemeldet werden
  • Ein umfassendes Informationsdisplay kann hilfreich sein, ist aus Kosten- und Vandalismus-Gründen aber nicht immer sinnvoll. Ein Status-Lämpchen oder eine einfache Strommengen-Anzeige reicht meistens auch aus

 

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Abrechnung

Abrechnung Elektroautos StromEine einheitliche Abrechnungsmethode gibt es bisher nicht. Mal wird der Tarif nach der Ladezeit berechnet, mal wird jede Kilowattstunde korrekt aufgelistet. Voraussetzung dafür ist, dass der Autofahrer die richtige Karte hat, die den Zugang zur Ladesäule überhaupt erst ermöglicht. Jeder Anbieter oder Energieversorger rechnet selber ab  - für ein paar hundert Kilometer kommen leicht ein dutzend Karten zusammen.

Die Bundesregierung plant daher einen bundesweit einheitlichen Zugang zu Ladesäulen. Besitzer von Elektroautos sollen jede im öffentlichen Raum aufgestellte Ladesäule nutzen dürfen, auch wenn sie mit dem Betreiber der Ladesäule keinen dauerhaften Liefervertrag haben.

Notwendig ist dafür eine Plastikkarte mit integriertem Transponder (RFID), der die Ladesäule freischaltet. Noch einfacher ist die Anmeldung per Powerline-Communication (PLC). Bei dieser Technik werden die Daten über das Ladekabel übertragen, wobei Auto und Ladesäule direkt miteinander kommunizieren und das Fahrzeug  über elektronische Zertifikate zugeordnet werden kann. Für den Nutzer entfällt die Anmeldung, er muss nur das Ladekabel einstecken. Anbieter solcher Roaming-Lösungen finden Sie im Kompetenzatlas.

Praxistipps:

  • Bei einer Abrechnung nach Strommenge ist ein eichrechtskonformer Zähler notwendig
  • Bei mehreren Ladepunkten gibt es auch Lösungen für eine „Sammelkommunikation“, um Kosten zu sparen – zum Beispiel übernimmt ein GSM-Modul am Ladeort zentral die Kommunikation für mehrere „Satelliten-Ladepunkte“
  • Die aktuelle Unterscheidung zwischen öffentlichem und halböffentlichem Ladepunkt fällt zukünftig weg. Daher sollten bereits jetzt bei halböffentlichen Ladepunkten die rechtlichen Grundlagen für öffentliche Installationen beachtet werden

 

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